Fabian Lenthe: Hank & Sylvie

Es gab keinen Grund für sie mich zu verschonen, auch nicht nach all den Jahren, in denen wir uns immer wieder das Leben retteten. Ich trank zu viel und nachdem sie den letzten Fall alleine lösen musste, konnte ich zum ersten Mal einen leicht verächtlichen Unterton in ihrer Stimme hören. Ich wusste nicht ob sie es ernst meint oder einfach nur erschöpft war aber ich wusste, dass sich unser Verhältnis geändert hatte. Ich gab ihr, wie immer, am Ende jeder Woche ihren Scheck, als sie eines Abends in mein Büro kam, um ihn sich abzuholen.

„Na, wie sieht´s aus?“

„Hi Sylvie, willst du was trinken?“

„Ist das eine Frage?“

Ich goss uns zwei doppelte Scotchs ein und stellte einen vor ihr auf den Tisch.

„Setz dich.“

„Danke.“

„Hier, dein Scheck, deswegen bist du doch gekommen.“

„Bin ich, ja. Es gäbe da allerdings noch etwas anderes über das ich mir dir sprechen wollte.“

Wir tranken gleichzeitig und sahen uns dabei in die Augen. Ihr Blick war klar und fokussiert.

„Was gibt es?“

„Wie lange arbeiten wir jetzt schon zusammen?“

„Sylvie, was soll das?“

„Es sind genau zwölf Jahre, Hank!“

„Kann sein, ja. Ich weiß nicht. Auf was willst du hinaus?“

Sie kramt eine schmale Packung Zigaretten aus ihrer Tasche, nimmt eine davon heraus und zündet sie sich an.

„Du wirst langsamer, Hank.“

„Was willst du damit sagen?“

„Du weißt sehr genau was ich damit sagen will. Das letzte Mal, als wir zusammen einen Fall lösten, wäre ich fast verblutet, weil du nicht schnell genug reagiert hast.“

„HEY, ich hab dir verdammt nochmal gesagt du sollst auf mich warten bevor du die Tür eintrittst, laut meiner Information sollte der Typ gar nicht zu Hause sein.“

„Das war er aber und ich hab die beschissene Kugel abbekommen.“

„Sylvie, verdammt, ich…“

Sylvie schnitt mir mit einer scharfen Handbewegung den Satz ab.

„Nein Hank, wenn du ihn nicht verfolgt hättest und mich liegen gelassen, wäre ich nicht halb verblutet. Du hast mein Leben riskiert obwohl du es hättest retten sollen. Wir haben uns geschworen den anderen niemals im Stich zu lassen, egal wie ausweglos die Situation ist.“

„Sylvie, es tut mir leid, ich habe mich hinreißen lassen, wir waren eine Ewigkeit hinter diesem Kerl her und er war zum Greifen nah, ich dachte, ich würde ihn,….versteh doch.“

„Hank, verdammt, du hast mich liegen gelassen!“

Ich griff nach meinem Glas und sank immer tiefer in den Sessel. Sie hatte mit allem Recht was sie sagte und ich hatte ihren Vorwürfen nichts entgegenzusetzten. Das Telefon im Vorraum klingelte.

„Sylvie, entschuldige mich bitte, ich bin gleich wieder da.“

Als ich den Hörer abnahm, sagte mir eine schluchzende Frauenstimme einen Namen und das jemand verschwunden sei.

„Hallo, bin ich hier richtig bei Hank & Sylvie Detective Agency?“

„Das sind Sie, ja. Wie kann ich Ihnen helfen?“

Sie erzählte mir, dass Ihr Mann seit zwei Tagen nicht nach Hause gekommen war und die Polizei nichts unternehmen wolle. Sie rieten ihr einfach abzuwarten und das Abendessen zu kochen, er hätte sicher großen Hunger, wenn er nach Hause käme. Ich versuchte sie ernst zu nehmen und behielt dabei die Tür des Büros im Auge. Durch das blickdichte Fenster in der Tür konnte ich Sylvies Silhouette erkennen. Sie war aufgestanden und lief im Zimmer herum.

„Ok, hören Sie, wir werden uns darum kümmern. Kommen Sie morgen früh einfach vorbei und bringen Sie bitte ein Foto mit.“

Ich legte auf und ging zurück ins Büro. Sylvie sah bezaubernd aus. Sie saß mit einem Bein angewinkelt auf meinem Schreibtisch und das gedimmte Licht ließ ihr blondes Haar schimmern.

„Ein neuer Auftrag, Hank?“

„Ihr Mann ist seit zwei Tagen nicht nach Hause gekommen, sie..?

„Lass mich raten, sie hat die Bullen angerufen aber die wollten nichts machen, stimmt´s?“

Sie stand auf und drehte sich zu mir um, hob ihr Glas und prostete mir zu.

„Hank, ich wollte dich nicht kränken aber ich musste es dir einfach sagen. Seitdem ich fast gestorben wäre hatten wir kein Wort mehr darüber gesprochen und ich wollte einfach nur, dass zwischen uns..“

„Alles Okay, Sylvie. Es war mein Fehler und ich verzeihe dir.“

Wir stießen an und tranken in einem Zug aus.

„Also gut, Misses Schneider kommt mor…“

„Alles in Ordnung, Hank?“

„Nein, ich, mir ist so…“

Mir wurde schlecht und schwindlig, ein stechender Schmerz durchzog meine Gedärme und verbreitete sich im ganzen Körper. Ich fing an zu schwitzen und hielt mich an der Kante des Schreibtisches fest. Ich konnte mich nicht bewegen und meine Arme und Beine begannen langsam taub zu werden.

„Was ist denn Hank, geht es dir nicht gut?“

„Sylvie, ich…ruf den Notarzt!“

„Wirklich Hank, ich soll den Notarzt rufen? Ich weiß nicht, vielleicht bleib ich auch einfach hier sitzen und sehe dir zu wie du abkratzt, wie wär´s damit, sag doch was.“

„Sylvie, BITTE“

„NEIN HANK! DU BIST EIN MIESES STÜCK SCHEISSE UND HAST DEN TOD VERDIENT, VERRECKEN SOLLST DU, DU MISTKERL, VERRECKE!“

Ich versuchte mich mit letzter Kraft aus dem Sessel zu stemmen aber ich fühlte keinen Muskel mehr in den Beinen und fiel zu Boden.

Ich vernahm ein unregelmäßiges, dumpfes Vibrieren, das all meine Aufmerksamkeit forderte.

„Hey Hank, aufwachen, wach auf, du alter Mistkerl! Da hast du mal wieder verdammtes Glück gehabt, wie immer, was?“

Ich öffnete langsam meine Augen.

„John?“

„Natürlich John, erkennst du meine Stimme denn nicht? Enttäusch mich nicht Hank, wie lange kennen wir uns schon, wie oft kamst du halbtot hier an und ich hab dich wieder zusammengeflickt?!“

„Was ist passiert?“

„Gift, du wurdest vergiftet Hank. Schwere Intoxikation. Wir mussten dir deinen verdammten Magen auspumpen. Aber du hattest Glück, ein bisschen mehr und du wärst diesmal wirklich gestorben.“

„Sylvie.“

„Nein Hank, Sylvie ist nicht hier, Misses Schneider hat dich gefunden und den Notarzt gerufen. Sie sagte sie sei an dem Abend, an dem sie bei dir angerufen hatte, noch vorbeigekommen.“

„Misses Schneider? Wo ist Sylvie?“

„Ruh dich aus Hank, es wird sich alles aufklären, bestimmt.“

 


 

Hank: Dieter Radke
Sylvie: Lisa Neher

Regie: Lukas Münich
Schnitt: Andreas Weber

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Gerwin Weinknoth: Spießdeutsche Pretiosen I – Lied an die Leimfliegenfalle

Du Todesleimgespinst, wie filigran,
hängst du doch an der Küchendecke dran.
Als Pendel des Verderbens und der Qual,
dem flatternden Gefleuche ein Fanal,
drehst Du Dich in des Fensters engen Spalts
und wer Dich kennt, der weiß: schon bald verhallt’s,
der freudig schwirrend Mücken heitres Spiel.
Den argen Kleister intressiert nicht viel,
nicht Fliege oder Wespe oder Gnu,
ein Jedes führt er seinem Schöpfer zu
bis eine Fibonacci-Locke hängt,
ganz dicht an dicht mit Opfern vollgedrängt.
Vereinzelt zucken Beine von Getier.
Vivat! Oh Klebedings, wir danken Dir!

Andreas Lugauer: Das Videospiel der Kläranlage

2000 muss es gewesen sein, als ich in den großen Ferien zwischen achter und neunter Klasse zwei Wochen lang beim Gemeindebauhof arbeitete. Also bei derjenigen Einrichtung, die sich um alles, was im Ort so anfällt, «kümmert».

Zugeteilt war ich dabei dem Hermann. Hermann war Mitte 40 und Mitglied beim örtlichen Trinkverein «Fort Dimple» (Kenner kennen den gleichnamigen Whiskey). Da kam es sonntagnachts schon mal vor, dass er diesen als einer der letzten verließ mit den erstaunten Worten: «Ah ja, morgen ist ja Montag!»
Beim Bauhof war er zuständig u.a. fürs Mähen der örtlichen Grünanlagen sowie die Überwachung der gemeindlichen Kläranlage.

Am ersten Tag, an dem ich dort arbeitete, war er wohl etwas damit überfordert, dass ihm plötzlich ein Partner an die Seite gestellt wurde. Mit einem Einsatzfahrzeug des Bauhofs fuhren wir als erstes zur Kläranlage. Er wollte dort wohl anfangs der Woche mal wieder nach dem Rechten sehen.

Dort angekommen sollte ich mich zunächst einfach zu ihm ins gute Stübchen setzen, wo sein Kläranlagenwärterschreibtisch stand, ein Busenkalender hing und im Nebenraum die ganzen elektonischen Viktualienschränke für die Steuerung der Kläranlage aufgebaut waren. Weiter gab’s dann gerade nichts, einfach warten, bis sich was zu tun auftut.

Plötzlich ein Anruf. Hermann musste ausrücken, er wurde irgendwo gebraucht kurz. Mitzukommen brauche ich nicht extra, ich könne hier warten. «Da drüben in der Garage steht ein Besen – wenn jemand kommt, tust du halt so, als würdest du den Hof zusammenkehren.» Ich schwöre, ich lüge nicht! Die Anweisung lautete, so zu tun, als würde ich den Hof zusammenkehren.

Wenn mir jedoch langweilig werden sollte, dann könne ich ja was spielen. Und damit leitete Hermann DAS UNGLAUBLICHE ein: Wir gingen in den Nebenraum mit den Schaltschränken der Kläranlagensteuerung, wo er mir deren Farbdisplay zeigte. Dort drückte er ein bisschen herum und rief plötzlich ein Computerspiel auf. Kein Witz, ich schwöre!

Es war so ein altes Vierfarbspiel, in dem man ein Unterseeboot von links nach rechts durch einen Tunnel steuern musste und allerhand von oben und unten in die Fahrbahn ragenden Felsen auszuweichen hatte. Gewalt gab’s meiner Erinnerung nach keine, d.h. keine Gegner, die einen angriffen und auszuschalten waren oder so.

Jedenfalls dachte ich: «Geil ey, hoffentlich bleibt Hermann recht lang weg!», und aber auch: «Ich pack’s nicht mehr ey, das ist hier die Steuerung der Anlage zur Klärung der Gemeindescheiße, und da ist ein verdammtes Computerspiel drauf!» Videospiel sagte ich nie, immer nur Computerspiel oder, obwohl recht sperrig auszusprechen, Playstationspiel.

Auf den Gedanken, das Spiel zu beenden und Quatsch mit der Kläranlage anzustellen, kam ich leider nicht. Aber ich wollte ja beim Unterwasserspiel möglichst weit kommen! (Wie weit ich kam, weiß ich leider nicht mehr.)

Bevor Hermann wieder kam, schaute ich mir auch noch den Kalender an übrigens. Ein Glück, dass die Monate Januar–Juli nicht abgerissen, sondern nach hinten geklappt waren. Ob er «gut» war, weiß ich auch nicht mehr.

Ach, wo ich hier schon beim Erzählen bin, interessiert vielleicht die ein oder andere da hier auch noch: An einem anderen Tag nahm Hermann mich mit zum Rasenmähen. Er war derjenige, der mit dem coolen Rasenmähfahrzeug (mit Führerkabinchen!) seine Runden über die Fußballplätze zog. Dessen Lenkrad hatte so einen Knopf drauf, mit dem man so lässig einhändig lenken konnte.

Meine Aufgabe war es, mit dem Normalmäher (na toll!) die Stellen zu mähen, wo er nicht hinkam. Das war schnell erledigt und so ging ich zu ihm hin, um zu fragen, was ich nun tun solle. Dass ich «mal fahren» dürfe, sagte er leider nicht, aber: Ob ich eine Halbe Bier möge. Wie alt ich sei, 14, «ja OK, aber du musst mir versprechen, davon nicht betrunken zu werden.»

Das versprach ich ihm glatt und saß sogleich mit einer Halben Karmeliten Klostergold auf einer Bank.

Ein andermal waren die Rasen auf den örtlichen Kreisverkehrinseln zu mähen. Hermann fuhr mich zu den Inseln hin, wir luden alles ab, dann fuhr er wieder und beschied mir vorher: «Mähst alles fertig und wartest dann halt, bis ich dich wieder hole.» Naja, so Inseln sind schnell gemäht, Hermann ließ sich aber immer gut Zeit. Und so saß ich dann leicht mal 20–30 Minuten auf einem dieser halbmeterhohen Kreisverkehrbegrenzungssteine herum und langweilte mich fürchterlich. Es gab damals ja noch kein mobiles Internet, wie wir es heute kennen! Und deswegen – hier schließt sich der Kreis und schießt alles zusammen, Freunde – kann ich auch leider keinen Screenshot posten heute.

Ach, und einmal durfte ich sogar einen der Rasenmäher steuern, die einen Antriebsmotor hatten. Aber das ist eine andere Geschichte. (Offenlegung: Dazu fällt mir jetzt nichts Interessantes ein.)

Roland van Oystern: Die geile neue Grafik

Deutschland: August 1992. Endlich war Ritschi wieder da. Er rief mich sogar an: „Du kannst vorbeikommen.“

Ich schwang mich aufs Rad. In Ritschis Zimmer waren die Rollläden runter, diesmal ganz. Es leuchtete aus der Glotze, dazu Gedüdel. Normal beim Konsolenspiel. Kannte ich schon. Dass der Senker da war, kannte ich auch schon.

„Echt jetzt?“, moserte das Vieh. „Du hast da einen nagelneuen Super NES und lässt deinen besten Kumpel nicht spielen?“ Was hatte Ritschi bloß mit dem? Nur weil er sein Nachbar war. Ständig hing der einem auf der Pelle. Befruchtete mich null, der Typ. „Dass du den kleinen Scheißer lieber nicht ranlässt, kann ich ja verstehen, aber …“

„Ey, sülz mich nicht voll, Senker. Ihr müsst mich auch verstehen. Ich hab das Ding heute angeschlossen. Ich kann auf keinen Fall heute schon abgeben. Zuerst dachte ich, okay vielleicht. Aber ey, geht einfach nicht! Ich muss das locker erst mal eine Woche allein spielen. Vielleicht kann ich Ende der Woche mal abgeben, weiß ich jetzt noch nicht. Ihr könnt eigentlich schon froh sein, dass ihr zuschauen dürft. Ey, andere würden was darum geben, wenigstens zuschauen zu dürfen. Wenn’s euch nicht passt, könnt ihr ja draußen Würmer sammeln.“

Das galt aus meiner Sicht alles nur für den Senker. Ich wollte gar nicht drankommen. Ich bin bei der alten Konsole schon ein paarmal drangekommen, da war ich immer sofort Game Over. War mir ganz recht, nicht dranzukommen.

„Ey, das ist so abgefahren, wie ich gestern ernsthaft noch geglaubt hab, der NES hätte ’ne geile Grafik! Den kann ich halt wegwerfen jetzt. Oder einem von euch verkaufen. Obwohl, Raini hat ja keine Kohle als Erstklässler. Bekommst du jetzt eigentlich nicht mal bald Taschengeld? Bisschen was ist der nämlich schon noch wert. Was ist mit dir, Senker? Wenn man nicht an die geile neue Grafik gewöhnt ist, bringt’s die alte auch. Direkt schlecht ist die ja nicht. Für ’nen Hunderter geb ich ihn her.“

„Ey, ich hab keinen Hunderter!“

„Überleg’s dir. Du kannst jetzt gehen, dann gewöhnst du dich nicht an die neue Grafik. Ist vielleicht besser.“

„Ich hab keine hundert Mark.“

„Ich weiß genau, dass du noch mindestens Hundert hast. Letztes Jahr Weihnachten hast du Hundert gekriegt und dir seitdem so gut wie nichts gekauft. Da sind locker noch Siebzig übrig. Dann gab’s zum Geburtstag Fünfzig, damit hast du eh angegeben, und obendrein noch die ganze Firmungskohle! Weiß der Geier, wie viel du da noch übrig hast. Du bist echt so ein Lügner, Senker.“

„Bin ich überhaupt nicht!“

„Und wo ist die Kohle dann? Hundert Mark sind echt gar nichts, neu kostet so ein Teil viermal soviel! Weißt du, was andere gebraucht noch haben wollen? Hundert Mark sind der absolute Freundschaftspreis. Weißt du, was mich das kostet, doppelt so viel dafür zu kassieren? Das kostet mich ein müdes Arschrunzeln!“

„Ich hab trotzdem keine Hundert.“

„Lüge.“

„Nein, ehrlich.“

„Was hast du dann mit der Kohle gemacht? Sag schon.“

Der Senker kirchenstill. Senker und das Schweigen im Wald. Und gleich im Anschluss: Senker und das Schweigen im Wald Teil 2.

„Ey, sag schon, du Krüppel!“

„Zufällig ist die Kohle auf der Bank, fest angelegt!“

„Bist du bescheuert? Du hast die ganze Kohle angelegt?“

„Das war nicht meine Entscheidung!“

„Auf wie lang?“

„Was weiß ich.“

„Sag schon, auf wie lang?“

„Ich komm da nicht mehr ran. Ich kann auch nichts machen.“

„’ne schöne Pfeife bist du. Und ich bleib jetzt auf dem Ding sitzen, oder was?“

„Sorry, Mann.“

„Von wegen sorry, du hast deine scheiß Kohle doch absichtlich zur Bank gebracht!“

„Gar nicht!“

„Ja ja, sülz mich voll.“

Ritschi drückte auf Pause. Der Senker fläzte im Sessel, ich saß neben Ritschi auf der Couch. „Okay, ich brauch eine Verschnaufpause!“ Ritschi ließ seine Finger knacken, das hätte ich auch gern gekonnt. „Nach einer Zeit tun dir richtig die Knöchel weh, glaubt’s mir oder nicht, da hilft bloß ein bisschen Sport!“ Zack, sprang er auf die Couch, streckte sich bis zur Decke, setzte sich auf meinen Kopf und drückte einen ab.

„Hey!“, rief ich.

„Der drückt mich nicht mehr!“

Der Senker johlte, kriegte sich kaum noch ein: „Olé, olé. Bumsbomber, olé!“

„Ruhe jetzt“, sagte Ritschi. „Weiter geht’s!“

Und weiter ging’s. In meinem Schädel merkte ich die Vibration. Da war sie: ganz schwach, aber da. Ich hatte noch nie einen Furz auf den Kopf bekommen. Wäre es nicht blöd gemeint gewesen, hätte es sich vielleicht sogar gut angefühlt.

Malte Mackenrodt & Jan-Keno Janssen: Erinnerungen an Videospiele

Diskettenkopierparties

Defender of the Crown (Cinemaware, 1986)

Bubble Bobble (Taito, 1986)

Ports of Call (Aegis Interactive Software, 1987)

Teacher Busters (1987)

Test Drive (Accolade, 1987)

Bobo (Infogrames Entertainment, 1988)

Wings of Fury (Loriciel, 1988)

Wolfenstein 3D (id Software, 1992)

Unreal (Epic Games & Digital Extremes, 1998)