Thelonious Zwackelmann: Frühlingssonntag an der Wertach

Jamie, Jamie
Immmee, Immmee
Du bist Frau und ich bin Mann
Oh Jamie, Jamie
Immmee, Immmee
Loch in den Rippen: Druckverband

Ein Sonntag am Fluß als der Herrgott noch schlief
Anarchie!
die Bäume so hoch und das Wasser so tief
Anarchie!
Es lag so ein komischer Duft in der Luft
Anarchie!
Du nahmst dir die Frucht, hast den Garten verflucht
Anarchie!
Das einzige, das uns je verboten war
Anarchie
der Garten, der Apfel, der Mittelfingah

Jamie, Jamie
Immmee, Immmee
Du bist Frau und ich bin Mann
Oh Jamie, Jamie
Immmee, Immmee
Loch in den Rippen: Druckverband

Sieh nicht hin,  ich bin errigiert
Anarchie
Doch um regeln hast du dich niemals geschert
Anarchie
Nach kurzem Erröten gestand ich mir ein
Anarchie
Das ganze wird unser Verderben sein
Anarchie
Wir erkannten uns mehrfach und lachten dabei
Anarchie
Die Freiheit war groß, der Sonntag war geil!

Andreas Vincent Weber: Beim Augenarzt

„Immer wenn ich auf die Straße gehe, werden meine Augen feucht!“

„Das kenne ich, das kenne ich!“

Der Augenarzt hat Ihren Kopf an einem mannshohen Gerät festgeschraubt. An den Schläfen ist eine Art Schraubstock befestigt, an dem er stetig dreht, bis sie den Schädelknochen knacksen hört. Sie will schreien, stöhnt dann aber nur kurz.

„Sie stöhnen. Vielleicht bedrückt sie ja etwas? Das könnte schon ein Hinweis sein. Sind sie traurig?.“

Sie kann nicht antworten, da ihr Kopf nun vollständig fixiert ist.
Jetzt hat der Arzt sie genau da, wo er sie haben wollte.

Vor ihren Augen tut sich etwas. Sie kann nicht erkennen, was es ist, da die Gerätschaften außerhalb des Schärfebereiches ihrer Augen liegen. Wir hingegen wissen, dass der Arzt eine Nadel in ihr Auge führen wird, um Gewebeproben der Netzhaut zur weiteren Untersuchung zu entnehmen. Für ihn reine Routine.

„das wird jetzt kurz pieken“

Und dann fühlt es sich genauso an, als ob man eine Nadel in das Auge einführt, um Netzhautproben zur weiteren Untersuchung zu entnehmen.

Der Arzt braucht drei Anläufe, bis er die richtige Stelle trifft.
Nach jedem Fehlversuch lacht er überaus laut auf, um seine Verlegenheit zu übertünchen. „Haha! Da bin ich wohl etwas unkonzentriert heute. Naja, dann halt nochmal.“

Die Prozedur wiederholt sich auf dem anderen Auge.
Der Arzt verlässt zum Zwecke der Netzhautuntersuchung den Behandlungsraum. Der Kopf bleibt fixiert, nur für den Fall.

Da sie aber den besten Augenarzt der Stadt ausgewählt hatte, war er schon nach zweieinhalb Stunden wieder im Behandlungsraum, mit blutiger Metzgerschürze und brandaktuellen Ergebnis:

„Also eines lässt mit bestimmter Sicherheit sagen: Sie sind nicht traurig. Sie können mir das ruhig glauben, ich bin Augenarzt.“

Reiche Ernte: Paratext

Dieser Text ist eine scharfe Analyse, ein herrlich leichter Abgesang auf den Zauber der Jugend. Und vor allem: Schön geschrieben. Auch der Textsatz ist recht gelungen. Scheinbar leichtfüßig füßelt er zwischen Pop und Avantgarde und kleidet sich dabei zuweilen in windige Allegorien auf die große Freiheit aber auch den goldenen Käfig des Lebens.

Große Kunst, wer mit so wenigen Worten so bildgewaltig die kleinen Gefühle auf das Textblatt machen kann. Mystifiziert der Text das Leben? Wahrscheinlich. Übermystifiziert er es? Vielleicht auch, ja.

Der Text könnte auch eine Anspielung sein. Auf Alles. Er verbirgt sich zwar selbstunsicher hinter einem prätentiösen Schleier eingeschobener und entstellter Zitate

“Was uns micht unbrimgt. macht und mur stärker” (Niesche)

und unwichtigen Einschüben

Heute Abend im Bus ist mir eingefallen, dass ich ja noch einen Text schreiben wollte. Es war ganz komisch. Auf einmal war da so ein Gedanke an einen Text, der von nichts anderem , als sich selbst handeln soll. Wie schön wäre das bitte, noch nie hatte ich eine bessere Idee gehabt. Wirklich. Beim daran denken, dachte ich aber auch, dass es eine ganz und gar furchtbare Idee war, aber das würde sich dann schon im Schreibprozess legen.

Ich fing also an, während der Bus, der voller Smombies war, ein Wort, dass sich windige Sprachwissenschaftler, die zu allem Überfluss – aber was ist schon Überfluss? – sich auch noch, zur reinen Distinktion, als, man höre und staune, Jugendsprachexperten bezeichnen, an Glascontainern, die, natürlich, wie sollte es auch anders sein, zum Bersten gefüllt waren, vorbeiholperte, während … jetzt habe ich den Faden verloren. Wo waren wir noch gleich?

die den Textfluss extrem hässlich unterbrechen, aber das wollen wir, und damit meine ich uns Sprecher*Innen, dem Text gerne verzeihen.

Man spürt eine Müdigkeit beim Vorlesen des Textes, die lustig zwischen den lakonisch hingeschmierten Zeilen mitschwingt. Auch wenn ich versuche, den Text besonders spannend auszuacten, er ist einfach so dermaßen dröge und belanglos, dass er sich zu nichts formen lässt.

Ging es am Ende nur darum, ein Paar Worte hinrotzen um möglichst schnell möglichst viel Zeilengeld zu kassieren, um dann endlich an sich rumspielen zu können? Wollen wir das nicht alle? Ist es nicht so, dass das Zeilengeld das täglich Brot des kleinen Mannes ist, der großen Frau? Dieser Text stellt uns viele Fragen. Er ist aufwühlend und belanglos zugleich.

Zurück zur Banalität des des Künstlerlebens: Ein Käsebrot kündigt den scheiternden Wendepunkt dieses Textes an. Es liegt auf einem Teller irgendwo im Text herum und der Käse beginnt langsam, harte Ränder zu entwickeln. Iss schon. Iss das gute Käsebrot, dass du dir selbst geschmiert hast. Und es ist schön geschmiert. Hunger, ich habe so einen Hunger! Immer diese animalischen Triebe, sie ziehen sich quasi als Leitmotiv durch den gesamten Text. Aber echte Kunst entsteht ja auch nur mit leerem Magen, insofern scheint dies wohl genial zu sein. Eigentlich ganz cool.

Und was dann geschah, brachte mich wirklich zum staunen: Obwohl es eigentlich noch weitergeht, höre ich an dieser Stelle einfach auf, vorzulesen.

Toll geschrieben!

Gundula Gaußberger: In der Parfümehrie

Melissa: Es stinkt, Paul, es stinkt!

Paul: Ja Melissa, ich weiß.

Melissa: Aber die Flaschen hier  sind schön!

Verkäufer: Wie kann ich ihnen helfen?

Melissa: Wieso stinkt es bei Ihnen im Laden so?

Verkäufer: Naja, dies ist eine Parfümerie und keine Metzgerei.

Melissa: Aber sind Parfüme nicht dazu da, einen Guten Duft zu verbreiten?

Verkäufer: Ja. Das funktioniert aber nur, wenn sie nicht gestört werden.

Paul: WIe?

Verkäufer: Naja wenn sich Düfte überlagern, dann fangen sie an zu kämpfen. und haben Sie schon mal eine wohlriechende Hundekampfarena gesehen?

Paul: Gesehen noch nicht, aber gerochen.

Melissa: Paul du warst bei einem Hundekampf?

Paul: Deshalb wollten wir doch das Parfüm kaufen

Verkäufer: An welchen Duft hatten sie gedacht?

Paul: Naja, Rosen und Lilien und Veilchen vielleicht?

Verkäufer: Das kostet extra.

Paul: Aha und was kostet nicht extra?

Verkäufer: Reiner Alkohol.

Melissa: Und ansonsten kostet das hier alles Geld?

Verkäufer: Ja, Nein, Vielleicht! Wer weiß das schon.

Melissa: Na sie!

Verkäufer: Ja, stimmt.

Melissa: Aber wie viel?

Verkäufer: 100 Rosen ungefähr.

Paul: Kann ich auch mit Karte zahlen?

Verkäufer: Ausgeschlossen.

Melissa: Schau mal, den da möchte ich gerne haben Paul

Paul: Den da? Wirklich? Der Riecht aber nach Parfümerie.

Verkäufer: Eine gute Wahl! Soll ich mich einpacken oder wollen sie mich gleich Essen? Ich frag nur wegen der Mehrwertsteuer.

Wilhelm Strauch: Eine kleine Erlösungsgeschichte.

„Erst aussteigen lassen, dann einsteigen!“ hat sie gesagt, dann schob sie sich in den Bus, noch bevor sich die Türen geöffnet hatten.

Der  Busfahrer hat eine goldene Feder am Ohrläpppchen. Er befreit sich unter Aufbietung von Kräften aus seinem Busticketkäfig und holterdipoltert den Gang entlang zur Türe des Fahrzeugs. Er stöhnt kurz, zieht an zwei kleinen Metallösen im Boden und klappt eine Zugbrücke aus Eichenholz nach außen.

Der Rollstuhlfahrer betritt den Raum [Applaus].

Busfahrer ab.

Aus der hinteren Ecke, da wo die Coolen sitzen, löst sich unvermittelt ein Schrei: „Hey! Der ist ja querschnittsgelähmt, das ist voll schlimm!“ [Lautstärke: Ü30] „Ich hab immer voll Mitleid mit diesen Typen, Ey!“ Es schallt durch den Bus. Draußen blinkt der Schnee blau. „Alter, kann ich dir helfen? Du tust mir voll Leid, Digger!“

„Ich glaube, das ist nicht nötig, guter Mann: Man steht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Füße unsichtbar.“

„Wow! Das ist aus dem einen Buch, dass mir meine Mutter immer zum schlafen vorgelesen hat, gell? Die Blechtrommel, oder? Alter, du bist ja  voll krass drauf!“

Dann sehe ich aus dem Augenwinkel ausgestreckte Hände, die den Rollstuhlfahrer an der Stirn berühren.

Kurze Stille, gefolgt von Jauchzen und Frohlocken.

„Ein Wunder! Ich kann wieder sehen! Oh, welch unbeschreibliches Glück!“

Der Rollstuhlfahrer steht auf und moonwalkt aus dem fahrenden Bus.

Andreas Vincent Weber: Yoko und John – Eine Liebe aus Kaltschaum

Irgendwann in Amsterdam. Ein sonniger Morgen erhellt eine Suite in einer Jugendherberge. YOKO und JOHN erwachen gerade in ihre Flitterwochen hinein. Auf dem Tagesplan stehen heute eine original Industriehafenrundfahrt und eine coole Käseverkostung. Der Wecker gibt
einen Urschrei von sich. YOKO klappt hoch und begrüßt den Tag.

Y, herzallerliebst: Hui, was für ein schöner Morgen! Da möchte ich doch mal meinen Lieben Mann aufwecken. JOOOOHN! AUFWACHÄN JETZT! WIR HABEN HEUTE VIEL VOR!

John stöhnt, schält sich aus den Federn und sieht nicht ganz so frisch aus. Sein Bocklevel ist sichtlich low.

J: Was ist denn los mein Hasenpfötchen? Wie spät ist es denn?

Y, gewaltig schreiend: HALB SIEBÄÄHN! IN NER HALBEN STUNDE GIBTS ESSEN UNTEN!

J: Ach Rohrspätzchen, können wir nicht noch ein bisschen liegen bleiben? Nur 5 Minuten? Ich kauf uns dann später ne Dose Fisch und Chips unten am Hafen, ok?

Y: JOHN! KEINE AUSREDÄN! WIR WOLLEN DOCH SIGHTSEEING MACHÄN!

J: Ja schon, aber wir können auch noch in fünf Minuten Sightseeing machen, Hurzelpurz!

Y: WIR SIND HIER IN DER SCHÖNSTEN STADT EVER UND DU WILLST PÄNNÄN? DA HAB ICH MIR JA EINEN TOLLEN MANN GEANGÄLT! AMSTERDAM HAT DEN SECHSTGRÖSSTEN INDUSTRIEHAFÄN VON DER GANZÄN WÄLT. WAS KANN DENN JETZT WICHTIGER SEIN ALS SO EINÄ. EINMALIGÄ. INDUSTRIEHAFÄNRUNDFAHRT?

J: Na, Der Weltfrieden.

Y: DER WAS?

J: Der Weltfrieden.

Y: DAS HAB ICH AKUSTISCH SCHON VERSTANDÄN! ABER WAS HAT DAS MIT DEM WELTFRIEDÄN ZU TUN, WENN DU DA RUMLIEGST?

J: Joghurtschnäuzchen, wenn überall auf der Welt jetzt gerade alle Menschen noch ein bisschen liegen bleiben würden, dann wäre immerhin schon mal fünf Minuten Weltfrieden, oder?

Y: HM DA HAST DU WOHL RÄCHT!

J, erstaunt: Ja, wirklich?

Y: JA! LEG DICH RUHIG HIN! SCHNÄLL, BEVOR SIE WIEDER BOMBEN IRGENDWO REINSCHMEISSEN! LOS, SCHLAFÄÄN!

John ist sichtlich verwundert und schüttelt den Kopf und Yoko sieht ihrem Mann dabei zu, wie ihn der Kaltschaum zufrieden schmatzend in sich aufnimmt.

[bliep]

Werbeunterbrechung: Hallo Kids! Mein Name ist Dr.Mabuse und ich bin Zahnarzt. Immer wieder werde ich gefragt, wie man seine Zähne am besten vor dem abfaulen schützt. Leider fragen das die meisten Menschen erst, wenn ihnen die – sie verzeihen mir den Ausdruck – gammeligen Stumpen schon auf halb 12 aus dem Fressbrett hängen. Tja, blöd gelaufen.
Dabei ist die Lösung so simpel wie genial: Einfach zweimal täglich Zähneputzen. Wichtige und wertvolle Gesundheitstipps wie diesen erhalten sie jede Woche in der Apothekerbeschau. Ein erhabenes Magazin, gedruckt auf echtem Papier zum anfassen und zum riechen.Apothekerbeschau: Das Magazin für die Ewigkeit. Jetzt in jeder Apotheke

[bliep]

JOHN wacht auf und muss sich schütteln. das Zimmer ist berstend voll von
Menschenmaterial. es handelt sich um ein Rudel Journalisten, die das junge Paar keck mit ihren Digitalkameras anpirschen, Immer auf der Suche nach heißen Neuigkeiten zum aktuellen Weltgeschen. Drollig!

J flüsternd zu Yoko: Wer sind diese Leute?

Y leise schreiend: DAS SIND JOURNALISTÄN, JOHN!

J: Um Himmels Willen, wieso das denn? Ist das nicht gefährlich? Sind die Stubenrein?

Y: WIR MACHÄN JÄTZT KUNST JOHN!

J: Bittewas?

Y: KUNST! JOHN!

J: Ja das hab ich akustisch schon verstanden, Schmusekätzchen. Aber was hat das alles zu
bedeuten?

Y: WIR MACHEN EIN BED IN! WIR SIND ALSO QUASI IN THE BED DRINNEN, JOHN. UM ZU PROTESTIERÄN!

John ahnt worauf das ganze hinausläuft, reibt sich die Stirn und startet sein Morgendliches Yogaprogramm. Es beginnt mit dem Sandwurm.

J: Für den Weltfrieden, stimmts?

Y GENAU! DU BIST SOOOOOOOOOO. KLUG.

Das Rudel wird immer unruhiger. Die Jungtiere lechzen nach frischem Informationen, da tritt der Alpharüde hervor und beginnt zu investigieren. Ein Verhalten, dass in dieser Jahreszeit für ältere Journalisten übrigens vollkommen natürlich ist.

Journalist: Wuff! Guten morgen die Herrschaften, Wolfram Eschenacher von der Züricher Zeitung. Sie protestieren hier also für den Frieden?

J: Ja, naja … also demonstrieren … das war mehr so ‘ne kindliche Trotzreaktion …

Journalist: sehr interessant WUFFWUFFWUFF!. Und was soll das bringen? ist das nicht ein bisschen – verzeihen sie mir den Ausdruck – arrogant von ihnen? Dass Sie denken, dass sie durch herumlümmeln WUFFWUFF wirklich etwas verändern können?

Y säuselnd: Das ist nicht arrogant, sondern antiautoritär. Wissen sie, wenn nämlich alle Menschen einfach mal länger liegen bleiben täten, dann wäre ja auch auf der ganzen welt …

Journalist: HAHAHAWUFFWUFFWUFF sind sie nicht putzig?

Das Rudel, das bisher still zugehört hat, kann sich vor Bellen nicht mehr halten. Zwei Jungtiere, die wohl Ihren Platz in der Gruppe behaupten müssen, brechen aus der Gruppe
aus.

Jungjournalist Tim: TIm von der Bento hier, wüff. Wann wird endlich gebumst bei euch?

Jungjournalist Tom: Tom von Vice, kläffkläff. Genau! Wir brauchen Content!

Ein wilder Tumult bricht los. John und Yoko verschränken ihre Arme und bleiben regungslos sitzen. Den Journalisten wird klar, dass hier nichts weiter passieren wird und sie traben aus dem Zimmer.

J: Endlich sind die weg. Naja, dann können wir jetzt ja runter zum Früh…

Y: BIST DU DOOF? DU MACHST NOCH UNSER KUNSTWERK KAPUTT! DU BLEIBST SCHÖN LIEGEN!

J: Aber ich hab Hunger

Y: NICHTS GIBTS, DIE KUNST GEHT VOR. MEINST DU, JOSEPH BEUYS HÄTTE SICH AUS SEINEN KUNSTWERKEN ERST EINMAL EIN SCHMALZBROT GEMACHT, NUR, WEIL ER EIN BISSCHEN HUNGER HATTE? NEIN HÄTTE ER NICHT! ER HAT GETAN
WAS GETAN WERDEN MUSSTE! NÄMLICH KUNST. SO!

J: Is’ ja gut mein Zitronenfalter. Dann warte ich eben noch bis … wie lange soll dieses

Kunstwerk denn überhaupt stehen?

Y: EINE WOCHÄ. UND TAGSÜBÄR KANN MAN VORBEIKOMMEN UND SICHS
ANSCHAUÄN!

J. Eine Woche? Tagsüber anschauen? Ach Rattenpups, das halte ich aber für gar keine gute …

Es klopft zurückhaltend an der Tür. Ein älterer Mann mit verschmierter Hornbrille steht im Türrahmen. Er heißt Mammut und hat einen Strauß Blumen dabei. Außerdem weint er ein bisschen, aber das tut er würdevoll.

Mammut: Ich hoffe ich störe nicht. Ich weiß, wie schwer das gerade für euch ist.

Yoko und John schweigen. Sie wüssten sowieso nicht, was sie jetzt sagen sollten. Der Mann hat offenbar seelische Schmerzen. Mammut schreitet auf das Bett zu und legt die Blumen und die Pralinen daneben.

Mammut: Ich wünsche euch, auch im Namen der Gewerkschaft, ganz ganz viel Kraft. Ihr schafft das!

Mammut nickt kurz und verschwindet möglichst schnell. Ihm war dieser Besuch offensichtlich etwas peinlich

J: Aha, und so sehen jetzt also unsere Flitterwochen aus oder was?

Da erschallen Schalmeien und ein kleiner Junge mit lustiger Frisur tritt in den Raum. Er stampft mit jedem Schritt fest auf und hat ein zusammengekniffenes Gesicht. Er denkt wohl, dass ihn diese Gesichtsartistik wütender aussehen lässt, aber unsere beiden
Friedensaktivisten deuten das als unschuldige Niedlichkeit.

J: Oh schön, ein Kind! Kinder sind unsere Zukunft! Komm doch her, kleiner Fratz!

Der Junge stapft entschlossen auf das Bett zu

Junge: So ihr beiden Spinner, jetzt steht schon auf!

J: Nanu? Ein Kunstbanause?

Y: Wie heißt du denn, Junge?

Junge: Ich bin der Präsident von den US von A!

J, kichert: Na sowas

Y: JOHN!

Junge: Halt die Fresse, du Hippiepenner! Nimm gefälligst deinen Präsidenten ernst!

J: Ich bin aber Engländer!

Junge: Mir reichts! es ist fünf vor 12 und ihr lümmelt da rum. Und ganz Amerika mit euch.

J: Ganz Amerika?

Junge: Ja, ganz Amerika! Die Wirtschaft ist am Boden! Nichts geht mehr. So traurig!

J verwirrt: Also bist du jetzt traurig oder die Wirtschaft?

Junge: Ich bin nicht hier um über Wirtschaft zu diskutieren! Fakt ist, dass Alles stillsteht, bis ihr endlich aufsteht.

Y: Aber das war doch der Sinn, das ist antiautoritärer Protest …

J: Ein Scheiß ist das! Ihr hört sofort damit auf! Ich halt jetzt so lange die Luft an, bis ihr aufsteht!

J: Nein tu das nicht! Sowas endet böse!

Der Junge hält die Luft an. Yoko und John sitzen da und schauen ihm beim Blauwerden zu. Einige Minuten vergehen bis der Junge endlich bewusstlos umfällt. Poff.

J, vergnügt: Wow, das ganze hat ja echt was gebracht! Und ich konnte tatsächlich noch fünf Minuten schlafen. Und irgendwie hat es ja doch auch ein bisschen Spaß gemacht.

Y: DAS WAR EIN VOLLER ERFOLG! LASS UNS DAS BALD MAL WIEDER MACHEN,

JOHN!

J: Wie könnte ich da nein sagen, meine kleine Schreischnauze?

Gaspard de Casserole – Diätenratgeberbuch

Ich fand dich eines Nachts
Am Straßenrand
Nahm dich zu mir mit
Seitdem habe ich mein Leben im Griff

In dir steckt magisches Wissen
Von Birkenzucker, Kohl und Rüben
Und immer, wenn ich nicht mehr weiter weiss 
Frag ich dich, den du kannst helfen:

Wenn die Welt zu brechen droht
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Wenn mein Zahnarzt über mich flucht
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Wenn ein Alb mich im Traum besucht
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Wenn mein Kaninchen plötzlich pupst
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Wenn der Richter mich einbuchten tut
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Wenn eine angespannte geopolitische Lage gelöst werden muss
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Wenn die Tür so komisch knurrt
Und ihr Ex das Messer holt
Wenn das Finanzamt mir mein Geld abbucht
Wenn die Heuschreckenplage über uns kommt
Dann gibt es dich
Mein Diätenratgeberbuch!

Also, zum Abnehmen taugst du zwar nicht, aber als Ratgeber bist du gar nicht mal so schlecht.